Biografisches
Statements

Mit der Geburt meines Sohnes 1999 startete ich meine Arbeit als Choreografin. Mein erstes gefördertes Projekt war flesh and bone. Von da an habe ich verschiedene Projekte realisiert, davon sehr viele in "nicht theatralen" Räumen wie Kirchen, Galerien und leeren Gebäuden der Stadt. Da ich nie vorhatte in Deutschland zu bleiben, gingen wir mit unserem Sohn kurze Zeit nach seiner Geburt nach Mexiko zurück. Dort begann ich mit Video zu experimentieren. Nach fast dreijährigem Aufenthalt in Mexiko kehrten wir nach Hamburg zurück. Von da an verbrachte ich viel Zeit im Schnittraum der HfbK und lernte Kameraführung und Schnitt von befreundeten Film-Studenten.

 

"Das Medium Video ist für mich eine wunderbare Ergänzung zu meiner Arbeit, da der Tanz ja vergänglich und vor kurzer Dauer ist. Ich habe bisher verschiedene Videoarbeiten realisiert, vom Experimentellen bis hin als Bühnenelement und/oder als kurze Dokumentation. Mein letztes Videoprojekt MY DANCE SPACE ist ein gutes Beispiel, welches ich als Reflexion über die Zeiten des ersten Lockdowns mit Tänzer*innen und Choreograf*innen aus Hamburg realisiert habe (Februar 2021)."

"Die Zeitschrift TANZ (damals hieß sie "ballet-tanz") brachte 2008 ein Artikel über ein Projekt von mir heraus, geschrieben von Arnd Wesemann. Er interessierte sich für dieses Video- und Tanz Projekt, welches ich später auf verschiedenen Bühnen präsentiert habe MY DANCE ROOM: 35 Migrant*innen aus Hamburg habe ich Zuhause beim Tanzen gefilmt. Daraus entstand eine unkommentierte 35-minütige Tanz- Dokumentation über die Liebe zum Tanz, die viele aus ihren Kulturen mitbringen und sie hier in Deutschland nicht immer ausleben können. Damals freute ich mich sehr, dass die wichtigste Tanz-Zeitschrift Europas über meine Produktion berichtete. Die Zeit damals als freischaffende Choreografin war nicht einfach. Von Jahr zu Jahr wusste ich nicht, ob ich wieder eine Förderung bekommen würde. Wer hätte gedacht, dass ich 21 Jahre später immer noch sehr aktiv in der Tanzlandschaft wäre."

"Im Jahr 2010 zeigte ich SUPERHERO, mein erstes Projekt auf Kampnagel. Dort lernte ich wunderbare Menschen kennen, die meine Arbeit unterstützten; in erster Linie die Intendantin Amelie Deuflhardt und die Dramaturgin Nadine Jessen . Dort zeigte ich von 2010 bis 2019 insgesamt 16 Projekte, von klein bis groß. Ich kuratierte auch Plattformen und Kampnagel fühlte sich über all diese Jahre wie mein zweites Zuhause an."

"Einige meiner Highlights in diesem Zeitraum von fast 10 Jahren auf Kampnagel waren die Produktionen:SUPERHERO-2010, AXEL & AXEL 2012-2013, ROMEO vs. ROMEO-2012, DEAD DANCE ZONE - 2014, POLITICAL BODIES - 2015, PLANET KIGALI - 2018."

"Im Jahr 2015 starb mein Vater. Im selben Jahr zeigte ich mein langersehntes Stück zwischen Dakar und Hamburg POLITICAL BODIES. auf Kampnagel Im Sommer desselben Jahres fuhr ich nach Uganda auf Einladung des Goethe Zentrums Kampala und der Deutsche Botschaft in Uganda. Es gab einen großen Empfang im Haus des Botschafters, bei dem die ganze Kunst-Szene von Kampala eingeladen war. Es war ein wunderschöner Abend. Dort performten wir THE FAKE EMPIRE mit 12 Tänzer*innen aus Kampala - das Stück, welches ich zusammen mit dem Kölner DJ Tom Strauch erarbeitet habe. Mein Vater war stolz auf meine Arbeit, er sagte mir: "Du bist die erste mexikanische Choreografin, die in Afrika arbeitet". Er hatte vermutlich Recht. Sein Tod stürzte mich in eine tiefe Trauer, aus der ich nur schwer heraus kam. Vielleicht ist es sichtbar in meinem CV, aber die künstlerische Pause habe ich gebraucht"

"Mein Vater Dipl-Ing José Fausto Gutiérrez Aragón war ein wunderbarer Vater, ein Akademiker, Rektor an der Universität von Morelos. Damals förderte er die Künste, die er liebte, besonders klassische Musik. Dank ihm gründete die Universität von Morelos die erste zeitgenössische Tanzcompagnie des Bundeslandes MorelosYOLI-XINASTLI-1986 geleitet von Raúl Aguilar Tänzer und Choreograf aus Cuernavaca. Er hatte seine Karriere in Mexiko Stadt gemacht und war zurückgekehrt nach Cuernavaca, meiner Heimatstadt. Dort bildete er mich aus und war ein Impulsgeber des zeitgenössischen Tanzes über viele Jahre. Unser Ziel: den zeitgenössischen Tanz zu den Menschen zu bringen. Wir zeigten unsere Stücke überall. Ich erinnere mich noch an die großen Augen, die die Menschen machten als sie uns beim Tanzen zusahen. Vor allem in den Dörfern, wo wir auftraten."

"Da ich schon in frühen Jahren leider mit dem Tod von geliebten Menschen umgehen musste, beschäftigt mich das Thema bis heute sehr. Mit meinem befreundeten schon verstorbenen KünstlerAbel Coelho aus den USA/Brasilien erarbeiteten wir zusammen ein Tanz-Workshop bei der Tanzplattform BIDE in Barcelona. Dort boten wir das Laboratory THE DEAD BODY an. Wir dachten niemand würde sich dafür interessieren. Zu unserer großen Überraschung meldeten sich sehr viele Tänzer*innen an und der Raum war voll. Diese Erfahrung brachte uns zu der Idee ein Stück zu konzipieren, bei dem Inhalte von der europäischem Tradition und der mexikanischen Tradition fusionieren könnten. Abel war nicht nur für das Licht Design zuständig, sondern als Performer und Berater. Ich vermisse ihn sehr. Er war für meine Produktion PLANET KIGALI eingeplant, leider starb er vorher. Die Produktion DEAD DANCE ZONE wurde schon in zwei anderen Locations neben Kampnagel gezeigt:MARKK-Museum-2018 und MBASSY-HAMBURG-2020. Das Leben ist wie der Tanz vergänglich, wir wissen nicht wann wir gehen. Glück und Trauer gehen Hand in Hand; die glücklichsten Momente in meinem Leben waren von großen Trauermomenten begleitet. Die Ironie des Lebens: DEAD DANCE ZONE ist das einzige Projekt, das die Förderung der Freien Szene bekommen hat - die Produktion, die über den Tod erzählt und am lebendigsten ist."

"Bei meiner ersten Reise nach Afrika auf Einladung von Helge Letonja im Jahr 2012 bei einer Tanz Residency von Ecole des Sables in der Nähe von Dakar, erlebte ich den Tanz in ganz anderen Dimensionen. Ich erlebte die B-Boy Szene hautnah und ich erfuhr dort von der politischen Bewegung Y'en a Marre, die es letztendlich schaffte einen neuen Präsidenten wählen zu lassen. Weitere Reisen der Recherche folgten um das Projekt POLITICAL BODIES auf die Bühne zu bringen. Es folgten weitere Reisen wie oben beschrieben nach Uganda, danach nach Tansania, wo ich drei Tanzproduktionen zwischen 2017-2018 füe das Internaionale Tanzfestival Hab na haba realisierte und zum Schluss fuhr ich nach Ruanda . Dort reiste schon zwei Mal und ein Drittes Mal in Mai 2021 für mein kommendes Projekt DECOLONYCITIES KIGALI-HAMBURG."

"Ab 2017 realisierte ich meinen ersten dekolonisierenden-silent-walk-performativen Stadtrundgang URBAN BODIES PROJECT. Dieser wurde zum internationalen Festival THEATER DER WELT eingeladen. Danach wurde dieses Projekt nach Amsterdam zum internationalen Tanzfestival JULIDANS und nach Stuttgart zum Festival DIE IRRITIERTE STADTeingeladen. Später folgte das Projekt DECOLONYCITIES 2019 und 2021 in Hamburg. Beide werden unter der von mir neu gegründeten Plattform SHAPE THE FUTURE von einem diversen und internationalen Team betreut."

 

Political Bodies / Yolanda Gutiérrez & Jens Dietrich

Political Body hat im Englischen eine doppelte Bedeutung. Als feststehender Begriff bezieht sich der Ausdruck auf eine politische Institution. Und wortwörtlich genommen geht es um das Politische des Körpers. Mit dem Projekt Political Bodies beabsichtigten wir die Bandbreite zwischen den beiden Lesarten sichtbar zu machen: Welche politische Rolle übernimmt der Körper in der Kunst, und wie wird aus einer künstlerischen Bewegung eine politische.

Die ersten Ideen für die Tanzperformance Political Bodies entstanden, als Yolanda Gutiérrez 2012 eine Künstlerresidenz an der Ecole des Sables in Toubab Dialaw machte und mit Tänzern aus der Hip-Hop-Szene Dakars in Kontakt kam.

Aufführung Kampnagel, Hamburg
Jennifer Beck, spex

Erschienen im März 2016
ISBN 978-3-938218-80-8

Herausgegeben von Yolanda Gutiérrez & Jens Dietrich

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