Ab 2017 realisierte ich meinen ersten dekolonisierenden-silent-walk-performativen Stadtrundgang URBAN BODIES PROJECT. Dieser wurde zum internationalen Festival THEATER DER WELT eingeladen. Danach wurde dieses Projekt nach Amsterdam zum internationalen Tanzfestival JULIDANS und nach Stuttgart zum Festival DIE IRRITIERTE STADTeingeladen. Später folgte das Projekt DECOLONYCITIES 2019 und 2021 in Hamburg. Beide werden unter der von mir neu gegründeten Plattform SHAPE THE FUTURE von einem diversen und internationalen Team betreut.

 
Foto: Yolanda Gutiérrez
Design: Lucia Lilen Heffner

Erinnerungsort:Theater
befasst sich mit der Erinnerung, die wir an das Theater haben, wenn es nicht mehr da ist. Vorübergehend erfuhren wir als Gesellschaft während des Lockdowns, was es heißt ohne Theater zu leben. Als Ort der Sehnsüchte und Erlebnisse wurde es vermisst. Was bleibt von dieser Erinnerung? Und was bedeutet Theater für unseren Alltag? Eine Spurensuche des Vergänglichen.

Es wurden Interviews mit Menschen geführt, die mit dem Theater Rampe in Bezug stehen: Theaterschaffende, Besucher*innen und die Mitarbeiter*innen des Theater Rampe. Der Erstkontakt erfolgte per E-Mail. Leider stellte sich heraus, dass viele der angefragten Menschen, besonders Theaterschaffende, während Gutiérrez‘ Aufenthalt in Stuttgart, nicht vor Ort waren. Das Interview sollte nämlich nicht via Online-Meetings geführt werden, denn die jeweilige Erinnerung an das Theater sollte mit drei Mitteln festgehalten werden: durch Worte, mit einem Foto-Porträt und mit der Aufzeichnung des Interviews. Die Nähe und das persönliche Kennenlernen sollte dabei auch eine Rolle spielen. Es sollte kein quantitatives, sondern ein qualitatives Projekt werden, nicht die Zahl der Interviewten war maßgebend, sondern die Intensität der Begegnung. Dabei blieb der Gedanke ganz und gar beim Medium Theater und was Menschen in Zeiten des Lockdowns daran vermisst haben: und das war vor allem die Begegnung live vor Ort, die Gespräche mit den Menschen, der Austausch um das Erlebte, kurzum das Miteinander.

Diese Begegnung mit jedem Einzelnen wurde festgehalten mit ihrer Stimme, ihrer Bewegung und ihrem Foto. Gutiérrez war es wichtig, dass die Gruppe der Interviewten divers ist, um die Vielfältigkeit und Vielschichtigkeit der freien Szene aufzuzeigen: die Gruppe setzt sich aus Akteur*innen, Tänzer*innen, Performer*innen, Mitarbeiter*innen und/oder Zuschauer*innen zusammen. Sie kommen u.a. aus Kolumbien, der Elfenbeinküste oder Griechenland und haben ihren Lebensmittelpunkt schon sehr lange in Stuttgart. Zu den Interviewten zählen:
Martina Grohmann und Paula Kohlmann (Theater Rampe), Magda Agudelo, Miriam Lemdjadi, Yahi Nestor Gahe, David Gaviria, Nicki Lizsta, Carmen Scarano und Samuel Hof (Performance-Tanz und Theaterszene in Stuttgart), Christoph Schwertfeger und Sofia Falsone (Zuschauer*innen).

Als Begleitlektüre diente "Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen" Eine Einführung von Astrid Erll. Obwohl das Buch sehr wissenschaftlich ist, half es Gutiérrez, in der Residenz tiefer in das Thema einzutauchen, wie beispielsweise Auseinandersetzungen mit kollektivem und individuellem Gedächtnis. Und genau das erleben wir, wenn wir im Theater sind: ein Zusammenspiel beider Erinnerungen.

Mit besonderem Dank an Martina Grohmann, Paula Kohlmann und Silinee Damsa-Ard.

Gefördert durch Fonds Darstellende Künste. Zusammen mit Netzwerk Freier Theater (NFT) NEUSTART KULTUR Programm

Ein Projekt von yolanda gutiérrez & projects zusammen mit Theater Rampe